Margaret Mitchell – Vom Winde verweht

Ja, ich weiß. Dieses Buch ist uralt und vermutlich kennt es jeder – zumindest die Filmversion. Aber die Geschichte von der verwöhnten Südstaatenschönheit, die ihr halbes Leben lang dem falschen Kerl nachschmachtet und am Ende ihre eigentliche große Liebe verliert, ist DAS Lieblingsbuch meiner Jugend und soll daher auch den gebührenden ersten Artikel gewidmet bekommen.

Ich besitze eine zweibändige Hardcover-Ausgabe von 1958, den Film auf VHS und DVD, und neulich habe ich mir auch noch das ungekürzte Hörbuch gegönnt, das 34 CDs lang ist. Ich denke, man kann mich einen Fan nennen.

Dieses Buch ist außerdem in vielerlei Hinsicht aufschlussreich. Es ersetzt den Geschichtsunterricht, weil es den Sezessionskrieg, der zwischen den Nord- und Südstaaten Amerikas getobt hat, schon fast ein wenig zu ausführlich beschreibt. Man erfährt jede Menge über das Leben reicher Plantagenbesitzer, das offenbar nur aus Gartenfesten und Bällen bestanden hat, über die furchtbar unbequeme Bekleidung junger Mädchen, über umständliche Umgangsformen, die nach der Hochzeit nicht mehr galten, über Balzrituale, die eigentlich nur aus Vortäuschung falscher Tatsachen bestanden und nicht zuletzt, wie naiv der Süden gewesen ist, zu glauben, den Krieg in einer Schlacht gewinnen zu können, nur weil sie Gentlemen waren.

Natürlich ist es auch eine der großartigsten Liebesgeschichten, die jemals zu Papier gebracht wurde. Sie beleuchtet das typisch menschliche Phänomen, immer das haben zu wollen, was man nicht haben kann, und das, was einem zu leicht geschenkt wird, nicht wertzuschätzen. Sie ist auch großartig, weil sie eben kein Happy End hat. Jedenfalls nicht, bevor die Erben eine Fortsetzung erlaubt haben. Ich werde ihnen das wohl nie verzeihen können.

Ich habe sehr viel aus dieser Geschichte gelernt. Ich habe gelernt, dass man Frauen nur bis zu einem bestimmten Grad trauen darf, es sei denn, sie heißen Melanie Hamilton. Dass es überhaupt keinen Zweck hat, eine Liebe erzwingen zu wollen, weil man dadurch nur kostbare Lebenszeit verliert, aber nichts gewinnt. Dass die Menschen, die einen fürchterlichen Ruf haben, meist die interessantesten sind, weil sie es sich erlaubt haben, zu leben. Dass es das Nutzloseste ist, ständig auf den eigenen Ruf zu achten, weil man dadurch jeden Spaß am Leben verliert. Dass man gut abwägen sollte, über wie viele Leichen man zu gehen bereit ist, um ein Ziel zu erreichen. Dass guter Sex manchmal eine marode Beziehung kitten kann, es sei denn, man redet nicht offen miteinander. Dass selbst die stärksten Männer schwach werden, wenn ihnen das Herz gebrochen wird. Und last but not least, dass man manche Dinge besser nicht auf morgen verschiebt.

Soviel Lebensweisheit zieht man nicht aus jedem Buch, jedenfalls nicht als Teenager. Ich kann also jedem dieses Buch wärmstens empfehlen! Und den Film auch. Aber ich werde nie verstehen, wie man das Hörbuch mit einer männlichen Stimme aufnehmen konnte, die die Geschichte mit der gleichen Verve vorträgt, als würde sie eine Einkaufsliste vorlesen.

Nachtrag: Neuerdings bin ich auch noch stolze Besitzerin einer einbändigen Hardcover-Ausgabe von 1953 sowie einer Taschenbuch-Ausgabe von 2010.

Gone with the Wind| Original Trailer englisch

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