Benedict Wells – Vom Ende der Einsamkeit

„Vom Ende der Einsamkeit“ handelt von Verlust, der Angst vor Verlust, dem Umgang mit Verlust, der mit Verlust einhergehenden Einsamkeit, der Suche nach einem adäquaten Ausgleich für erlittenen Verlust und der Einsicht, dass auch eine von Verlust geprägte Biografie in ihrer Gänze eine intakte Biografie werden kann.

Ich bin von diesem Buch so tief ergriffen, dass mir die Worte fehlen, um meine Ergriffenheit in Worte zu fassen. Als wäre ich eine Harfe mit unendlich vielen Saiten und der Autor hätte mit spitzen Fingern präzise diejenigen angezupft, die nicht ganz sauber gestimmt sind.
In einem Interview sagte Wells, dass er zwar nicht erlebt habe, was seine Hauptfigur Jules erlebt, aber jedes Gefühl, das er Jules fühlen lässt, selber gefühlt habe. Einfach gesagt, die Geschichte sei erfunden, aber die Gefühle seien echt.
Es sind keine komplizierten Gefühle, um die es geht. Es sind die elementaren Gefühle, die Kinder empfinden, wenn etwas Bedeutsames in ihrem jungen Leben geschieht und wie der Umgang damit den Lebensweg beeinflusst. Es sind aber nicht die Gefühle, die er beschreibt, sondern die Gefühle, die er nicht beschreibt, die mich im Schleudergang durchschütteln, wenn er mit schlichten Worten und leisen Tönen von Tod, Verlust, Trauer und einer unendlichen Einsamkeit erzählt.
Einige seiner Sätze sitzen wie Pfeile in meinem Fleisch und in meinem Herzen. Noch nie habe ich Angst vor Nähe oder die vielbeschrieene Bindungsunfähigkeit in einem so klaren Bild festgehalten gesehen oder in so poetischen und liebevoll verstehenden Worten beschrieben gelesen:

Als wäre etwas in ihr zu Scherben zerfallen, die jeden verletzten, der ihr zu nahe kam.

(S.80)

Nie wurde so viel Wahrheit zu einem so kurzen Satz kondensiert:

Das Gegengift zu Einsamkeit ist Geborgenheit.

(S. 171)

Es ist seltsam. Obwohl dieses Buch tausendundeinen Gedanken durch meinen Kopf spült, kann ich nicht mehr dazu sagen. Auf jeden Fall hat sich Benedict Wells mit „Vom Ende der Einsamkeit“ nachhaltig in meine Erinnerung geschrieben, und wenn ich mich von der ersten Lektüre emotional erholt habe, werde ich es mit Sicherheit ein zweites Mal lesen.

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