Isaac Asimov – Das Ende der Ewigkeit

Wir befinden uns in einer weit entfernten Zukunft. Nein, eigentlich befinden wir uns außerhalb jeglicher Zeit. Wir befinden uns in der Ewigkeit, wo jede erdenkliche mögliche Zukunft und Vergangenheit nur eine Kesseleinstellung weit entfernt ist. Der Zugang zur Ewigkeit ist nur einem elitären Kreis zugänglich, der die Ewigen genannt wird. Diese werden sorgfältig nach besonderen Kriterien aus den Zeitlichen, das sind die Normalsterblichen, die innerhalb der physiologischen Zeit leben, ausgewählt. Sie werden aus ihrer Zeit herausgelöst, von ihren Familien getrennt und leben fortan ohne familiäre oder freundschaftliche Bindungen, die sie in irgendeiner Weise emotional korrumpieren könnten. Denn die Ewigen bewegen sich nicht nur durch die Zeit, sie haben explizit die Aufgabe, die Zeit und damit die Realität zum Wohle der Menschheit zu manipulieren.

Man muss sich vergegenwärtigen, in welcher Zeit dieser Roman entstanden ist. Man spürt die Prüderie der Fünfziger Jahre. Dass die Mode eines der wenigen näher beschriebenen Jahrhunderte Frauen praktisch unbekleidet lässt, spricht für eine stark unterdrückte Sexualität entweder des Autors oder der Zeit, in der er lebt. Wie bis weit ins 20. Jahrhundert wird Frauen auch in der Ewigkeit keine andere Rolle als die der Verführerin zugestanden. (Weil Männer eine zu geringe Impulskontrolle haben, sind Frauen gefährlich. Schon klar…) Jede einzelne Aufgabe von Bedeutung wird von Männern erledigt. Man stelle sich einmal vor, dass das Schicksal der gesamten Menschheit, die doch immerhin statistisch zu 50% aus Frauen besteht, von Männern konzipiert, berechnet und gestaltet wird. Immerhin als Assistentinnen und Geliebte auf Antrag dürfen Frauen die Ewigkeit betreten. Ist das nicht unglaublich? Isaac Asimov erschafft eine parallele Realität, die mehr als hunderttausend Jahrhunderte menschlichen Fortschritts überblickt, in der anhand Wahrscheinlichkeitsberechnungen die minimal notwendige Veränderung bestimmt werden kann, um die maximal erwünschte Reaktion zu erreichen, aber bezogen auf gesellschaftliche Entwicklungen reicht seine Fantasie offenbar nur für ein Changieren zwischen sexuell verklemmt und freizügig. So scheint es zumindest auf den ersten Blick. Nachdem ich den Roman einige Tage habe sacken lassen, bin ich immerhin bereit, zuzugestehen, dass es im erschaffenen Universum Sinn macht, dass die Gesellschaft sich nicht weiterentwickelt hat und dass Asimov wahrscheinlich kein chauvinistischer Mistkerl ist. Ich bin zu der Einsicht gelangt, dass „Das Ende der Ewigkeit“ ein nahezu philosophisches Plädoyer für Optimismus, Lebensfreude und Vertrauen in die Menschheit ist, dass sie letztendlich doch in der Lage sein wird, ihre destruktiven Kräfte konstruktiv einzusetzen.

2 Gedanken zu “Isaac Asimov – Das Ende der Ewigkeit

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